Soziologie (3)

Reflexive Soziologie – Kritik der empirischen Sozialforschung

Beschreibung: Das Programm einer „reflexiven Soziologie“ durchzieht Steinerts Denken seit den 1970ern. Während sich die „real existierende Soziologie“ in Funktionalismus und Modellrechnung erschöpft und den gesellschaftlichen Status Quo verdinglicht und vergöttert, macht eine reflexive Soziologie die eigenen impliziten Annahmen und Denkmodelle zum Thema der Forschung. Ihre Aufgabe ist es, „das in Selbstverständlichkeiten Ausgeblendete zu erinnern. Damit findet man sich als Sozialwissenschaftler auf der Seite der Verlierer, der Abweicher, der Außenseiter, der Ausgeschlossenen, der strukturellen wie der historischen. Die herrschenden Ordnungen und ihre Selbstverständlichkeiten sorgen für sich selbst. Wir sind für den Widerspruch zuständig.“ Reflexive Soziologie produziert Befreiungswissen, nicht Ordnungswissen; sie zerlegt erstarrte Entitäten in Prozesse und Situationen.

Was bedeutet dieses Programm konkret für eine kritisch-soziologische Praxis, etwa für Durchführung und Analyse von Interviews als sozialen Situationen mit spezifischem Arbeitsbündnis?

Wie lassen sich – in der heutigen universitären Praxis – befreiungstheoretisches Denken vorantreiben und kulturindustrielle Vereinnahmungen verhindern?

Eingangsstatement: Christoph Reinprecht