Soziologie (1)

Die Fabrikation des zuverlässigen Menschen – zur Geschichte der Gehorsamsproduktion

Beschreibung: Die wissenschaftlichen und politischen Bemühungen von Heinz Steinert drehen sich zu einem großen Teil um das Ziel der Befreiung. Neben den Prozessen, in denen Abweichung oder Exklusion erzeugt wird, richtet sich die Kritik immer wieder gegen die gebildete Klasse und ihre Art und Weise, die Unteren abzuwerten. Zu solchen Abwertungspraktiken gehört auch, besondere Arbeits- und Disziplinarverhältnisse für die vermeintlich unberechenbaren Massen der Einfachen herzustellen. Parallel zu sozial-historischen und machtanalytischen Ansätzen verfolgt Steinert einen Ansatz zur Subkultur ebenso wie soziologische Analysen jener Konstellationen, in denen Gehorsam, nicht Gehorsam hier oder dort und diesem oder jenem gegenüber, sondern Gehorsam schlechthin eingeübt wird: Arbeits- und Wohnverhältnisse, die Formen der moralischen Erziehung ebenso wie des Vergnügens. 

Welche Prozesse identifiziert Steinert als diejenigen, die Gehorsam als ein abstraktes Verhaltensmuster konstituieren?

Seine eigenen Untersuchungen sind solche der historischen Soziologie. Wird Gehorsam noch in gleicher Weise als Muster erzeugt, nach obligatorischer Militärdienst vielfach abgeschafft wurde, die Kirchenbindung und damit eine bestimmte Form institutionalisierter Sittlichkeitserziehung kontinuierlich nachlässt, die klassische Fabrikarbeit eine deutlich geringere Bedeutung spielt und Besiedlungsformen mit starken gemeinschaftlichen Kontrollwirkungen durch Verstädterung vielfach an Gewicht verloren haben? Sind Praktiken der Gehorsamserzielung auf anonyme Arbeitsmärkte und drohende Prekarisierung übergegangen? Wie wirken reformpädagogische Konzepte?

Welche Bedeutung spielt Kulturindustrie für das Problem der Konformität und des Gehorsams?

Haben wir es heute, im Zeitalter des Internet und der Social Media mit neuen Formen der Erzeugung generalisierten Gehorsams zu tun?

Eingangsstatement: Alex Demirović