Heinz Steinerts Kapitalismusverständnis

Kapitalismus ist für Steinert durch mehrere, sich verstärkende Herrschaftsverhältnisse gekennzeichnet. Zur eigentlichen Kapitalakkumulation, also der Herrschaft der Kapitaleigner über die Lohnabhängigen, tritt ergänzend das Patriarchat und die Bürokratie. Der eigentliche Kapitalsektor ruht dabei auf nicht-kapitalistischen Ökonomien wie der Hausarbeit, der Subsistenzwirtschaft und der Eigenarbeit auf. Historisch lassen sich unterschiedliche Kapitalstrategien, die wiederum mit spezifischer Arbeitsmoral sowie kulturindustriell verstärkten Erwartungshaltungen sowie Anforderungen und Zumutungen verbunden sind, unterscheiden. Da diese Phasen die soziale Existenzweise allumfassend bestimmten, spricht Steinert vom Kapitalismus auch von Produktionsweisen im Plural. Signifikant dafür sind die fordistische und neoliberale Produktionsweise, die als unterschiedliche Lebensweisen zu verstehen sind. Diese Transformation der (Alltags-)Kultur, Moral und Lebensweise lässt die konstitutiven Merkmale des Kapitalismus intakt, ja verstärkt diese. In diesem Panel stehen diese Bestimmungen und Analysen zur Diskussion, insbesondere die Position, dass Patriarchat und Bürokratie keineswegs atavistische Herrschaftsformen darstellen, die in Widerspruch zu einem „reinen“ Geld – Ware – mehr Geld‘ Kapitalismus, nach Steinert zweifellos ein Fehlbegriff, stehen würden.

Wie stimmig ist das von Steinert verwendete Konzept
des „Klassenkampfs von oben“?

Hat sich die scharfe Kritik von Steinert am Begriff der „Wissensgesellschaft“,
als vorgeblich neue Phase des Kapitalismus bestätigt?

Eingangsstatement: Karl Reitter